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Anfänge der Baptisten in Berlin

Die Anfänge der Baptisten in Berlin sind mit dem Kupferstecher und späterem Prediger Gottfried Wilhelm Lehmann (geb. 1799 gest. 1882) verbunden. Als junger Mann lebte Lehmann einige Jahre in Ostfriesland. Seine Eltern in Berlin konnten ihre fünf Kinder kaum ernähren. Er selbst war lutherisch geprägt, in Ostfriesland lernte er nun auch andere Kirchen und junge engagierte Christen etwa aus der Reformierten Kirche oder von den Mennoniten kennen.

Zurück in Berlin findet Lehmann bald sein geistliches Zuhause in pietistischen Gemeinschaften seiner Heimatstadt. Der Pietismus war eine Erneuerungsbewegung innerhalb der Evangelischen Landeskirchen. Die Notwendigkeit einer persönlichen Bekehrung und Hingabe an Christus wurde dort gepredigt. Das persönliche und gemeinschaftliche Bibellesen und Gebet wurde gelehrt. Ein enormes missionarisches und diakonisches Engagement zeichnete die Pietisten aus. Lehmann hielt sich in Berlin zur böhmischen Bethlehemskirche und der Herrenhuter Brüdergemeine.

Lehmann wird Schriftführer des Vereins zur Enthaltsamkeit und bringt sich besonders bei der Bibel- und Traktatverteilung mit ein. Viele Christen damals versuchten vor den Gefahren des hohen Alkoholkonsums zu warnen und Menschen auf dem Weg aus der Sucht heraus zu begleiten. Das Verteilen von Bibeln und Kleinschriften (Traktaten) zu unterschiedlichen Themen war damals eine sehr erfolgreiche und verbreitere missionarische Methode.

Durch die Traktatverteilung lernte Lehman Johann Gerhard Oncken kennen, Agent der Edinburgher Bibelgesellschaft in Hamburg. Beide hatten bereits brieflichen Kon-takt. Nun kam Oncken nach Berlin, konnte günstige Bibeln zum Verteilen an Arme zur Verfügung stellen und gewann durch mitreißende Vorträge viele Christen für diese missionarische Arbeit. Lehmann und Oncken spürten eine tiefe Seelenverwandtschaft und wurden zu Freunden.

1834 ließ Oncken sich in Hamburg taufen. In einem Bibelkreis hatten er und andere schon 1929 zur Tauferkenntnis gefunden. Eine Säuglingstaufe konnte ihrer Überzeu-gung nach keine biblische Taufe sein und diese auch nicht ersetzen. 1834 dann kam der baptistische Theologieprofessor Barnas Sears innerhalb seines Sabbatjahres nach Hamburg. Er „prüft“ die sieben Taufbewerber des Bibelkreises, erkundigt sich nach ihrem Glauben und ihrer Bereitschaft, eine Gemeinde getaufter Christen zu gründen. Am 22. April 1834 um Mitternacht in der Elbe wurde die Taufe vollzogen. Am selben Tag wurde in Hamburg die erste Baptistengemeinde in Deutschland gegründet.

Lehmann in Berlin ist zunächst durch diese Nachricht verunsichert. Er kannte dieses Taufverständnis von den Mennoniten aus Ostfriesland. Menno Simons, der Gründer dieser Kirche, hatte sich schon 300 Jahre vorher so taufen lassen wie jetzt Oncken. Lehmann hatte von großen Missionaren der Baptisten in der Welt gelesen. Aber er ahnte auch, dass eine Taufentscheidung ihn von vielen geliebten Brüdern und Arbeiten in Berlin trennen würde. Allein seine Frau Leonore Lehmann war schnell und fest von der Richtigkeit der Glaubenstaufe überzeugt. Die neutestamentliche Taufe ist nicht nur Segnungstaufe, sie ist immer auch Bußtaufe. Gott und Täufling sagen Ja zueinander. An die Umkehr zu Christus in der Taufe sind die darin verheißene Verge-bung der Sünde, der Empfang des Heiligen Geistes, die Gotteskindschaft und die Gemeindezugehörigkeit gebunden. Dies alles kann man keinem Säugling zusprechen.

Die Taufe Onckens und die Gemeinde getaufter Christen in Hamburg wurden in er-weckten Kreisen Berlins sehr kritisch diskutiert. Drei Jahre nach Hamburg aber wird die erste Baptistengemeinde Berlins geboren. Am 13. Mai 1837 ließen sich Gottfried Wilhelm und Leonore Lehmann und vier weitere Personen im Rummelsberger See taufen. Der aus Hamburg angereiste frühere Kaufmann und jetzige Prediger Oncken, dem aufgrund seiner neuen Lehren verboten war, Preußen zu betreten, taufte sie heimlich. Mit der Feier des Abendmahls wurde am Pfingstsonntag, dem 14. Mai 1837, in der Wohnung Lehmanns die Gemeinde gegründet.

Viele Weggenossen Lehmanns gingen auf Distanz. Auf einer öffentlichen Sitzung der Enthaltsamkeits-Gesellschaft, die er selbst mit begründet hatte, wurde er beschimpft und aus dem Amt des Sekretärs entlassen. Die Türen der Kirchen waren für ihn und die kleine neue Gemeinde verschlossen. Die Gottesdienste fanden in der Wohnstube bei Lehmanns im vierten Stock Blumenstraße 64a statt. Die regelmäßigen Predigten und viele weitere Arbeiten kosteten den gelernten Kupferstecher alle Kraft. In den ersten drei Jahren kamen nur sechs neue Mitglieder zur Gemeinde. Oncken war zu-nächst zu jeder Taufe angereist. Im Juni 1840 aber wird Lehmann in London durch sechs englische Baptistenpastoren zum Prediger bzw. Pastor ordiniert. Nun konnte er selbst in Berlin die Taufen vollziehen.

Eine Besonderheit der frühen Baptisten in Deutschland war die Feier des Liebesmahls. Die im Neuen Testament bezeugte hohe Bedeutung der Gemeinschaft beim A-bendmahl wurde wohl gesehen. Die Mahlfeier selbst aber zu reformieren und ihr neue Formen zu geben, wurde nicht angegangen. Sehr regelmäßig jedoch blieb man im oder nach dem Gottesdienst zum Liebesmahl bei Tee und Kuchen im Gottes-dienstraum. Im ersten eigenen Gemeindehaus der Baptisten in Hamburg wurden die Kirchenbänke so konstruiert, dass man sie umklappen und zu Tischen für das Liebesmahl umfunktionieren konnte.

Die Berliner Gemeinde ging später in der Schmidstraße dazu über, jeden Sonntagabend nach dem Nachmittagsgottesdienst zum Abendbrot in der Gemeinde zu bleiben. Jeder brachte etwas mit und auch Arme oder Alleinlebende konnten an der fröhlichen Tischgemeinschaft teilhaben. Die Gemeinschaft war ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde. Wie sollte man einander unterstützen, sich ergänzen und gemein-sam auf einem Weg sein, wenn man sich nicht auch persönlich gut kannte!

Zunächst aber fanden die Versammlungen in Berlin ab 1840 in der Scharrenstrasse 18 statt. Durch Einreißen einiger Wände war in der Wohnung eine Treppe hoch ein kleiner Saal entstanden. Immer noch mussten Taufen heimlich durchgeführt werden. Die Widerstände seitens der Kirchen und der Stadtverwaltung waren erheblich. In den Kirchen wurde vor den „Wiedertäufern“ gewarnt. Durch seine Ordination und Einsetzung zum Pastor war Lehmann noch stärker ins Visier geraten.

Am Himmelfahrtstag 5. Mai 1842 überfallen achtzehn Männer den Gottesdienst in der Scharrenstrasse. Zwei ihrer Kollegen aus der Zuckerfabrik hatten sich taufen lassen. Lehmann wird niedergeschlagen. Anwesende Brüder ermahnen ihn, den Raum zu verlassen. Kanzel und Einrichtung werden zerschlagen. Lehmanns couragierte Frau steht mitten im Gedränge. Sie fordert zwei Brüder auf, die Polizei zu holen. Als end-lich ein Polizist kommt, sitzen die Schläger nebenan in einer Gaststätte. Sie werden verhört, aber es wird nichts unternommen. Mehr noch, der Polizist „gab ihnen den Rat, sich für jetzt zurückzuziehen, bis sich das Volk alles verlaufen hätte, nachher könnten sie ja wieder kommen und alles übrige noch zerschlagen.“ (Lehmann; zitiert bei Rudolf Donat, Wie das Werk begann, Kassel 1958, S. 75) Eine Verurteilung der Schläger oder einen Schadenersatz gab es nicht.

Die Baptisten kamen immer wieder in Konflikt mit Behörden. In den 50er Jahren führt Lehmann eine Tabelle über Bestrafungen von Baptisten. 48 Verhaftungen, Bußzahlungen, Entlassungen oder Inhaftierungen der Jahre 1851-1858 aus den Gemeinden in Deutschland sind ihm bekannt. Baptisten durften sich nicht öffentlich versammeln. Eheschließungen wurden nicht anerkannt. Die Sakramente Taufe und Abendmahl sollten nur Pastoren der Landeskirchen durchführen. Viele Prediger oder Laien kamen mit einem Bußgeld oder kürzeren Haftstrafen davon. Andernorts kamen Männer und Frauen vier Wochen ins Gefängnis, weil sie sich in einem Wald zu einem Gottesdienst versammelt hatten. Schon die Verteilung von Traktaten zur Taufe konnte einige Tage Haft nach sich ziehen. Lehrer, die sich taufen ließen, wurden aus dem Schuldienst entlassen.

Einen Traktatverein gründet Lehmann in seiner Gemeinde nicht. Die Traktatmission war Sache der ganzen Gemeinde. Die Schwestern und Brüder der kleinen Gemeinde verteilten in den ersten sieben Jahren nicht weniger als 1000 Bibeln und 107.000 Traktate in und um Berlin. Berlin zählte noch keine 300.000 Einwohner! Titel der Verteilschriften waren zum Beispiel „Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“, „Folgen der Trunkenheit“, „Das Wort vom Kreuze“. Auch eigens für Kinder gedruckte Schriften fanden großen Absatz. „Kaum einen Baptisten gab es wohl damals, der nicht Traktate in der Tasche hatte.“ (Rudolf Donat, a.a.O., S. 85).

Im September 1846 kam Lehmann von einer einjährigen Kollektenreise durch Eng-land zurück nach Berlin. Er brachte 1200 Pfund Sterling mit. Die Gemeinde konnte ein Grundstück in der Schmidstraße 17 zum Bau der ersten eigenen Kapelle kaufen. Für die Baupolizei aber existierte keine Baptistengemeinde in Berlin, sie wurde nicht als Eigentümerin akzeptiert. So trug der Bauplan den Titel „Wohnhaus für Herrn Lehmann“. Der Gemeindesaal wurde im ersten Stock ausgebaut.

Eine rechtliche Erleichterung brachte ein königliches Patent im März 1847, welches jedem den Austritt aus der Landeskirche gestattete, der sich beim Gericht abmeldete. Auch die Zivilehe wurde eingeführt, so dass Baptisten nun nicht mehr in der Landeskirche heiraten mussten. Weitere Freiheiten für die Gemeinde brachte die Revolution vom 18. März 1848. Das Recht auf Versammlungs- und Glaubensfreiheit begann sich durchzusetzen.

War die Gemeinde in den ersten drei Jahren von 1837 bis 1840 nur von sechs auf zwölf Mitglieder gestiegen, zählte sie nach zehn Jahren bis 1847 doch 320 getaufte Mitglieder. Auch in den folgenden Jahren wuchs die Gemeinde beträchtlich. Lehmanns Sohn Josef Lehmann wurde als zweiter Prediger eingestellt. Josef Lehmann war der erste Prediger der Gemeinde, der eine gründliche theologische Ausbildung absolviert hatte.

Gottfried Wilhelm Lehmann, der Vater bricht 1860 erneut zu einer Kollektenreise nach England auf. Von den gesammelten Geldern wird die Kapelle aufwendig erweitert. Die Predigt im ersten Gottesdienst am 10. November 1861 hält Julius Köbner, ein vom Judentum konvertierter Däne, der mit Oncken in Hamburg und im ganzen Bundesgebiet arbeitete. Oncken, der ebenfalls angereist war, Lehmann und Köbner galten damals schon als „Kleeblatt“ als prägenden Gründerfiguren der Baptisten in Deutschland. Später, nach dem Tode Lehmanns, diente auch Köbner im hohen Alter der Berliner Gemeinde ein Jahr als Prediger. Ab April 1884 war Eduard Schewe Prediger der Berliner Gemeinde, der gemeinsam mit seiner Frau das Diakonissenmutterhaus Bethel gründete.

Die Gemeinde wuchs zahlenmäßig weiter. 1887 wurde sie in zwei Gemeinden geteilt. Fast die Hälfte der über 1000 Mitglieder fand ein neues Zuhause im neuen Versammlungshaus in der Gubener Straße im östlichen Teil der Stadt. Die in der Schmidstraße bleibende Gemeinde betreute weiter Zweiggemeinden in Berlin und westlich der Ha-vel: Steglitz, Charlottenburg, Mariendorf, Rixdorf-Neukölln und Spandau sowie au-ßerhalb Berlins in Dalgow, Luckenwalde, Jüterborg und Velten. Nach einigen Jahren zählte man in der Schmidstraße schon wieder 1000 Mitglieder. 1891 wurde das erneut groß erweiterte Versammlungshaus eingeweiht.
Tageslosung¹ für Samstag, den 21. Oktober 2017

Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.
(Psalm 39,8)

Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!
(Lukas 8,48)


¹ © Evang. Brüder-Unität, Herrnhuter Losungen


Heute

15.00 Uhr - Cafeteria im Christlichen Selbsthilfe-Zentrum "Lichtblicke" Weitere Infos ....
 
18.00 Uhr - Gottesdienst der Arabisch sprechenden Gemeinde


Morgen

10.00 Uhr - Gottesdienst der Christl. Gebärdensprachl. Gemeinschaft in Berlin
Termine bitte unter: Weitere Infos ....
 
10.00 Uhr - Gottesdienst
mit parallelem Kinder-Gottesdienst
anschließend Gebetsecke und Gemeindecafe
jeden 1.Sonntag im Monat mit Abendmahl
 
10.00 Uhr - Kinder-Gottesdienst
nach einem gemeinsamen Beginn des Gottesdienstes mit den Erwachsenen. Weitere Infos ....
 
12.00 Uhr - Bibelstunde der Arabisch sprechenden Gemeinde
 
12.30 Uhr - Gottesdienst der Nigerianischen Gemeinde "Prayers Ministries Int."
(Gottesdienst in englischer Sprache)
 
14.30 Uhr - Trauercafé in der Cafeteria (4. Sonntag)
 
16.00 Uhr - Gottesdienst der Koreanischen Gemeinde "Evergreen Baptist Church Berlin"
(Gottesdienst in koreanischer Sprache)
 
 
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